Sagen und Legenden der Schweiz von Meinrad Lienert

8 Kommentare

Meinrad Lienert war der Begründer der Schweizer Mundartdichtung- sozusagen der schweizerische Herrmann Löns oder Peter Rosegger. Seine Sagen und Legenden waren bis vor kurzer Zeit fester Bestandteil jedes deutsch- schweizerischen Lesebuches. 1865 wurde Lienert in Einsiedeln geboren; nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Jura in Lausanne, Heidelberg und München; seinen Abschluss machte er in Zürich. Er arbeitete als Notar und Redakteur, auch für die “Zürcher Volkszeitung”. Als freier Schriftsteller verfasste er ab 1900 Romane, Theaterstücke und naturverbundene Lyrik. Im Alter von 68 Jahren verstarb er 1933 in Küsnacht.

Meinrad Lienert – seine Sagen und Legenden

Seit 2011 sind seine Sagen und Legenden in bekannter mystischer Kraft wieder im Buchhandel erhältlich und erfreuen damit nicht nur alle Schweizer, für die diese Sagen und Legenden fester Bestandteil ihres Alltags sind und waren. Bereichert um die Illustrationen von Hannes Binder, taucht der Leser in die geheimnisvolle Magie der Sagenwelt ein. “Das Neunuhrglöckchen von Schaffhausen”, “der Stier von Uri” oder “die Teufelsbrücke” – um nur einige zu nennen: die Phantasie des Lesers wird angeregt und mitgerissen von einem Strudel wunderbarer und faszinierender Geschichten, die von Berggeistern und urtümlichen Kräften handeln. Gerade das Schauerliche und Unerklärliche ist es, was den Leser in einer phantasiearmen und hektischen Welt mitreißt und begeistert. Die schön- gespenstischen Kostbarkeiten sind in der erweiterten Neuausgabe noch um einige Erzählungen bereichert worden, wie zum Beispiel um “das Märchen vom Sennentuntschi” oder um die Geschichte “vom listigen Habsburger”. So wollte Lienert nach eigenen Worten “eine bunte Blumenlese aus dem Sagengarten der Schweiz” schaffen; es ist ihm ebenso gelungen, den Schweizer Bräuchen ein Denkmal zu setzen. Die gelungenen Illustrationen von Binder verstärken das Gefühl, in eine verwunschene Welt entführt zu werden, und man schmunzelt trotz aller Schauerlichkeit doch über die eine oder andere Sage und Legende: zum Beispiel, wie der Teufel von dem Urner Landammann betrogen wurde, in dem er über eine in den Berg gebaute Brücke ein Zicklein zu ihm schickte: fast ist man hier versucht, sich vergnüglich mit einem “Ätsch” in seinen bequemen Sessel hineinzukuscheln.

Faszination Sagen und Legenden

Der Spannungsbogen, den der Leser erfährt, in dem er sich einerseits so richtig schön gruseln kann, um dann, wenn er das Buch zur Seite legt, wieder in eine Welt einzutauchen, in der er ja, Gott sei Dank, von Mythen und Geistern verschont ist: auch diese Gewissheit macht den Reiz für den Leser aus, sich einmal wieder auf diese Märchenwelt einzulassen.

Foto: Irina Fischer – Fotolia